Papua – Reise in eine andere Zeit

Papua - eine Reise in eine andere Zeit, in eine vergessene Welt. Packend, interessant, herausfordernd und lehrreich. Lassen Sie sich entführen!

13.03.2018
Catégorie: Indonesien
Auteur: Julien Ernst & Philipp Dinkel

Papua hautnah erleben

Ein paar Fakten zu Papua

Neuguinea, die zweitgrösste Insel der Erde, ist zweigeteilt. Der östliche Teil ist der unabhängige Staat Papua-Neuguinea. Der westliche Teil, West-Neuguinea, gehört zu Indonesien und ist in zwei Regionen aufgeteilt: West-Papua, bekannt vor allem für seine paradiesischen Tauchgründe bei Raja Ampat und Papua, das zentrale Hochland mit Bergen die über 5000m hoch ragen. In Papua leben rund 320 verschiedene indigene Völker, viele mit einer eigenen Sprache, Kultur und Tradition. Dort wird mich meine Reise hinführen.

Reiseplanung für Papua

Es ist eine lange Reise bis nach Jayapura, der Hauptstadt West-Neuguineas. Ich buche meine Flüge mit Singapore Airlines und plane einen kurzen Stopover in Singapur ein, um die lange Reise etwas zu verkürzen. Weiterflug mit Singapore Airlines nach Jakarta und von dort mit Garuda Indonesia nach Jayapura. Da ich in Jayapura KEIN „Visa on Arrival“ erhalten werde, checke ich nur bis Jakarta ein. Ich mache dort die Immigration und erhalte so das Visum für Indonesien. Mit dem Nachtflug fliege ich weiter nach Jayapura und widme mich dem Buch „Dschungelkind“ von Sabine Kuegler. Dieses autobiografische Buch nimmt mich in seinen Bann, fesselt mich und… beunruhigt mich auch. Auf welches Abenteuer lasse ich mich mit dieser Reise ein?

Ankunft in Papua

Ab Jakarta bin ich mit meinem Arbeitskollegen Philipp Dinkel unterwegs und wir reisen zu zweit in Jayapura ein. Dort erwarten uns zwei Vertreter unserer Agentur und wir überbrücken die Wartezeit für unseren knapp 30-minütigen Weiterflug nach Wamena mit einem Besuch im „Guten Morgen Kaffee“ !!!
Die letzte Etappe unserer Hinreise beginnt. Beim Anflug auf Wamena, einer Kleinstadt im 1‘700m hoch gelegenen Baliem-Tal, schaue ich leicht irritiert auf die beiden, je auf einer Seite der Rollpiste liegenden, Flugzeugwracks. Wir aber landen sicher AUF der Piste aber definitiv in einer anderen Welt. Schon bald befinden wir uns auf dem Markt und können uns kaum satt sehen an den exotischen Früchten und Gemüse. Schweine laufen frei durch den Markt, Kopfschmuck mit ausgestopften Vögeln wird feilgeboten. Jetzt sind nicht die halbnackten Männer und Frauen die Exoten, sondern wir bleichen Weissen!
Neugierig werden wir betrachtet, Kinder berühren unsere helle Haut und Männer wie Frauen grüssen uns mit Handschlag. Einen so freundlichen und wohlwollenden Umgang haben wir nicht erwartet. Wir sind das erste, aber sicher nicht das letzte Mal überwältigt.

Baliem Valley Resort

Eine knappe Fahrstunde von Wamena entfernt liegt das Baliem Valley Resort wo wir die nächsten Tage verbringen. Grandios ist die Aussicht über das Tal vor uns.

Feierabend-Bier

Jetzt ein kühles Bier und die Abendstimmung geniessen. Doch unsere Hoffnung wird schnell zerschlagen, denn in ganz Papua wird kein Alkohol ausgeschenkt. Das hat seinen guten Grund. Wamena, die letzte Versorgungsstation vor der „Wildnis“, ist in den letzten beiden Jahrzehnten stark gewachsen. Es gab mehr Forscher und Lehrer aber auch die Stammesbewohner der umherliegenden Dörfer kamen öfter in die Kleinstadt um Grundnahrungsmittel und Medizin zu besorgen. Die Auswahl an Produkten wurde immer grösser, unter anderem auch Alkohol. Gerade die Menschen aus entfernten Stämmen kamen aber noch nie im Leben mit Alkohol in Kontakt und verfielen rasch der Sucht. Armut und Kriminalität waren die Folge worauf die indonesische Regierung strikt handelte und ein Alkoholverbot für die gesamte Region aussprach. Die Beispiele der amerikanischen Indianer oder der australischen Aborigines haben gezeigt, welch dramatische Auswirkungen der Alkohol auf die Urvölker haben kann…
Abends geniessen wir das vorzügliche Essen mit einem Glas Wasser und sind froh um unsere Windjacken und Pullover. Das Resort liegt auf knapp 1900m.ü.M., die Temperaturen sinken beträchtlich nach Sonnenuntergang.

Ausflüge in eine andere Welt

Die nächsten Tage verbringen wir mit Exkursionen ins umliegende fruchtbare Baliem-Tal. Das Tal ist grösstenteils nur zu Fuss erreichbar und das Mitbringen von gutem Schuhwerk hat sich gelohnt. Wir durchqueren Felder und Flüsse, es geht auf- und abwärts. Immer wieder kommen wir an kleinen Dörfern vorbei und werden immer sehr freundlich empfangen. Unser sehr guter Guide war jeweils das Bindeglied zwischen unserer und deren Welt und hat unsere vielen Fragen jederzeit ausführlich beantworten können. Die Aussichten auf das Tal und die umliegenden Bergen lassen teilweise unseren Atem stocken. Unterwegs treffen wir immer wieder auf Menschen welche aus entlegenen Stämmen unterwegs nach Wamena sind. Dabei überqueren sie barfuss und halbnackt Flüsse und Wälder, ja sogar 4000er Berge. Je länger wir unterwegs sind umso mehr wird uns bewusst, dass diese Lebensweise keine touristische Attraktion sondern pure Realität ist. Fragen über Sinn und Unsinn unserer materialistischen Lebensweise jagen mir durch den Kopf.

Kleidung

Die traditionelle „Kleidung“, welche man ausserhalb aber sogar innerhalb Wamenas antrifft, sieht wie folgt aus: Männer tragen ausschliesslich ein „Koteka“ (Penisrohr) und die Frauen einen Bastrock. Oben ohne und barfuss sind alle unterwegs. An festlichen Anlässen kommen noch Hautbemalungen, Kopfschmuck und diverse „Piercings“, wie ein Wildschweinzahn durch die Nase, dazu. Allgegenwärtig sind auch die Stofftaschen welche über der Stirn getragen werden. Dadurch, dass inzwischen auch in entlegenen Gebieten Schulen gebaut werden, tragen Kinder und junge Erwachsene aber immer öfter auch kurze Hosen und T-Shirts.

Traditionen und Bräuche

Am Tag vor unserer Abreise werden wir zu einem Schweinefest eingeladen. Schon am Vormittag sind wir im Dorf und für uns werden Kampfszenen nachgestellt, es wird viel getanzt, gesungen und ein riesiges Feuer entfacht. Wir helfen mit Gemüse und Pflanzen zu rüsten und werden sofort in die Gemeinschaft integriert. Zwischendurch hören und sehen wir ein rennendes Grunzen – armes Schwein! Alsbald wird dieses von zwei Männern gefangen und an den Beinen festgehalten. Bedächtig nähert sich das Stammesoberhaupt, mit Pfeilbogen bewaffnet, dem Schwein. Er zielt, schiesst dem Schwein direkt ins Herz, dieses läuft davon und fällt Sekunden danach tot zu Boden. Ein kurzer Schrei einer mitreisenden Touristin durchbricht das andächtige Schweigen.
Eine ungewohnte Situation, kennen wir doch das Fleisch, welches wir essen nur steril verpackt aus dem Kühlregal. Doch ist diese Tötungsart nicht sinnvoller als das anonyme Töten in unseren Schlachthäusern? Das Schwein wird vom Oberhaupt fachmännisch seziert, die nicht essbaren Stücke werden separiert und in einem Haus den Ahnen als Dank offeriert. Der respektvolle und sorgsame Umgang mit diesem getöteten Schwein hat uns nachhaltig beeindruckt. Das Ganze wird zusammen mit dem Gemüse stundenlang im Erdofen gegart bis die ganze Sippe zusammenkommt und das Stammesoberhaupt alles Essbare verteilt.

Eine beeindruckende Reise

Im Vorfeld machten wir uns Gedanken ob es Sinn macht, an solche Orte zu reisen. Fühlen sich die Einheimischen nicht wie in einem Zoo ausgestellt? Bringen wir damit nicht unsere westliche Kultur in diese abgelegene Gegend? Die Antwort können wir nach unseren gemachten Erfahrungen liefern: Definitiv nicht! Auch wenn die Kommunikation schwierig ist, so sind die Begegnungen sehr herzlich, ehrlich, fröhlich und immer von einem Lachen begleitet. Wir durften Gemeinschaften treffen welche alles zusammen teilen und glücklich miteinander sind. Kein Luxus, kein Streben, kein Egoismus, dafür ein intaktes soziales Gefüge. Der Mensch und die Gemeinschaft stehen im Mittelpunkt. Wir fühlten uns nicht als schweigende Beobachter welche durch ein Objektiv möglichst gute Instagram-Fotos machen sollten, sondern wurden freundlich aufgenommen und in ihre Traditionen und Riten eingeführt. Gerade weil auch ihnen bewusst ist, dass sich ihr Leben mehr und mehr
ändern wird, wollten sie uns voller Stolz ihre lebende Kultur zeigen, mit dem Ziel diese auch über Generationen bewahren zu können. Am letzten Abend werden wir melancholisch, der Abschied fällt uns schwer. Gerne hätten wir noch ein paar Tage mehr in Papua, dieser „anderen Welt“, verbracht!

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