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Eine Foto-Reise durch Taiwan

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tourasia
12.11.2019
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Taiwan mit der bekannten Instagram-Influencerin Martina Bisaz

„Formosa, formosa“, riefen die vorbeisegelnden Portugiesen, als sie die Insel Taiwan erblickten – „wow, wie wunderschön“! Wie recht sie hatten, wird sich uns zeigen. Wir haben neun Tage Zeit, um von Norden bis Süden entlang der Ostküste die Höhepunkte anzusehen.

Martina Bisaz (auf Instagram: kitkat_ch), die bekannte Reisefotografin und Instagram-Influencerin, begleitet uns dabei. Sie hat weltweit 268‘000 Follower und durfte dieses Jahr den ersten Influencer Award in der Sparte Travel für ihre aussergewöhnlichen Reisefotos entgegennehmen!

Nach einem bequemen und angenehmen Flug mit Cathay Pacific erreichen wir zum Sonnenaufgang Hongkong. Nach einem Umsteigespurt und zwei Flugstunden später sind wir in Taipei.

So wie das Ankommen am Flughafen, so wird auch der Rest der Reise verlaufen: entspannt, stresslos und „hasslefree“. Der Verkehr ist im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern sehr organisiert und die Strassen sind einwandfrei. Kaum ein Hupen, ausserorts fast kein Motorrad. Auch spricht uns niemand an, um uns in die Stadt zu fahren oder etwas zu verkaufen – sehr angenehm.

Jason, unser Driver/Guide, erwartet uns. Er ist Mitte 50 und trägt ein breites Grinsen. Wir bekommen ein WLAN-Gerät, welches man am Flughafen mieten und vor dem Rückflug – in unserem Fall am Flughafen Kaohsiung – wieder abgeben kann. Damit können wir Martinas und tourasias Follower unbeschränkt mit Insta-Stories unterhalten.

Nach kurzem Frischmachen dürfen wir Taipeis Höhepunkte bestaunen. Zum Start Wanhua, Taipeis ältestes Viertel. Interessant ist vor allem Ximending, eine bei Jugendlichen und Hipstern beliebte Vergnügungsfussgängerpromenade. Wir verbringen Zeit beim Longshan-Tempel, einem sehr gut besuchten Tempel mit vielen taoistischen und buddhistischen Ritualen. Mondförmige Hölzchen werden geworfen und müssen dreimal auf der richtigen Seite landen, damit eine Frage mit „Ja“ beantwortet werden kann. Wahrsager bieten ihre Dienste an, und diverse Gottheiten werden um den perfekten Partner, Gesundheit, Erfolg und gute Prüfungsnoten gebeten.

Nächster Stopp ist der Presidential Palace, danach die Chiang-Kai-Shek-Gedächtnishalle. Ein Besuch im Taipei 101 darf nicht fehlen. Er ist schliesslich der aktuell zehntgrösste Wolkenkratzer, und der Lift zum Aussichtsturm mit 60 km/h der zweitschnellste der Welt. Beeindruckend ist, dass der Turm ziemlich genau auf zwei Kontinentalplatten liegt und so immer wieder von Erdbeben erschüttert wird. Zwischen dem 88. und 92. Stockwerk befindet sich eine 660 Tonnen schwere, vergoldete, aus einzelnen Scheiben gefertigte Stahlkugel, die mit ölhydraulischen Dämpfungselementen den Schwankungen des Gebäudes entgegenwirkt.

Der Shilin-Nachtmarkt hat alles, was man sich von einem Nachtmarkt wünscht: zahlreiche Food-Stände, angeschrieben mit chinesischen Zeichen und niedlichen Figuren, Souvenir-Stände mit Krimskrams, aber auch hübsche lokale Boutiquen mit qualitativen Produkten. Wenig Gedränge und noch weniger aufdringliche Verkäufer.

Nach kurzer Autofahrt erreichen wir das ländliche Taipei – malerische Landschaften, satte grüne Wälder, Wasserfälle. Wir fahren durch kurvige Bergstrassen entlang Teeplantagen immer mehr in die Höhe, bis wir bei der Bio-Teeplantage eines Mönches ankommen. Von hier geniessen wir einen wunderschönen Ausblick.

Nach einem erstaunlich vielseitigen und veganen Mittagessen probieren wir verschiedene Teesorten: den bekannten taiwanesischen Oolong-Tee und den Lady-Tee, der aus dem Speichel von Insekten gemacht wird (herrlich süsslich). Höhepunkt ist ein sehr kostbarer 100-jähriger Tee, der sehr zart die Kehle heruntergleitet.

Das Abendessen nehmen wir im hübschen Ort Shenkeng ein, dessen Hauptstrasse von schönen Backsteinhäusern mit tollen Restaurants gesäumt ist.

Keine 20 km nördlich der Metropole Taipei liegt Yangmingshan, der kleinste Nationalpark Taiwans. Die Region weist zahlreiche heisse Quellen, Schwefelbecken, aber auch Wasserfälle auf. Dies ist die Gegend mit der höchsten vulkanischen Tätigkeit Taiwans. Auf zahlreichen Wanderwegen kann man unberührte Natur und eine herrliche Aussicht auf Taipei geniessen. Zwischendurch qualmt und brodelt es aus der Erde.

Der Yehliu Geopark mit seinen Gesteinsformationen und toller Lage am Meer ist bestimmt kein Geheimtipp mehr, trotzdem gehört er zu jeder Taiwan-Reise. Abends erreichen wir Jiufen, einen wahren Geheimtipp. Der Bergort mit der schönen Aussicht aufs Südchinesische Meer war früher für seine Goldminen bekannt. Heute kennt man ihn als Filmkulisse für bekannte Kinofilme. Die engen Gässchen sind mit roten Lampions beleuchtet. In chinesischen, im Retro-Stil dekorierten Teehäusern kann man authentische Teezeremonien erleben und Spezialitäten probieren.

Am nächsten Morgen fahren wir zum Teapot Trail. Nach der Besteigung freuen wir uns über den wundervollen Blick bis hin zum Meer. Die hübschen Pavillons in den grünen Hügeln im Vordergrund vervollständigen das fantastische Fotomotiv!

Bevor wir zu einem Höhepunkt unserer Reise gelangen, der Taroko-Schlucht, machen wir einen Halt beim Qingshui Cliff. Wow, was für ein Anblick! Steil und gewaltig fallen die Klippen ins Meer, die Küste Taiwans ist einmalig. Berg und Meer, so dicht beieinander.

Bevor wir in die Schlucht fahren, besuchen wir einen Headhunter des Truku-Stammes. Ein indigenes Volk, das vor der Besetzung Japans Anfang des letzten Jahrhunderts die Taroko-Schlucht bewohnte und von der Jagd lebte. Man erkennt sie am Gesichtstattoo. Auf der Stirn trägt man das Tattoo des Clans und zwischen Mund und Kinn das Tattoo der Reife (früher als Belohnung des „Headhunting“, später zur Erlegung zweier Wildschweine).

Das Taroko Village Resort inmitten der Schlucht ist eine ideale Unterkunft, um mehr über die Trukus, ihre Traditionen und ihre Geschichte zu erfahren.

Der spektakuläre Zhuilu-Trail ist nichts für Menschen mit Höhenangst, aber für jeden, der die Taroko-Schlucht von unten bis oben erleben möchte. Er ist lediglich 3,1 km lang und nur mit spezieller Bewilligung begehbar. Die Aussichten sollen phantastisch sein.
Wanderdauer: 4–5 Std.

Wer sich nicht so in die Höhe wagt, kann entlang Spazierwegen zu tollen Einblicken in die Schlucht gelangen. Der Baiyang Trail führt sogar in eine Höhle mit einem Wasserfall. Der beliebte Shakadang öffnet im Dezember 2019 wieder und ist eine tolle Alternative für weniger abenteuerliche Wandervögel.

Nach einer mehr oder weniger anstrengenden Wanderung gibt es für alle eine spezielle Belohnung: nämlich eine Fussmassage. Wir kehren bei Josef Eugster ein, einem Schweizer Pfarrer, der vor 49 Jahren als Missionar nach Taiwan zog. Mit Hilfe eines Buches hat er sich die Fussreflexologie beigebracht, um sein Rheuma zu heilen.

Er hatte nicht nur damit Erfolg, sondern entwickelte – begleitet von Weiterbildungen – eine eigene Methode der Fussreflexzonentherapie. Seine Methode und die aussergewöhnlich treffende Diagnosefähigkeit haben ihm Bekanntheit nicht nur in ganz Taiwan gebracht, sondern weltweit.

Er hat vor Ort zahlreiche Taiwanesen/-innen ausgebildet und ein Fussreflexzonen-Zentrum eröffnet. Auch in der Schweiz gibt es Zentren, die seine Methode leicht lernbar machen. Sogar Krebspatienten besuchen ihn und sprechen von Besserung.

Wir haben Josef in seiner unkomplizierten und offenen Praxis besucht. Er war sehr offen, freundlich und hat noch in nahtlosem Rhytaler Dialekt mit uns geplaudert. Nach ein paar Fusssohlen-Drückern haben Josef und seine Therapeuten unsere Schwachstellen im Körper entdeckt. Es war beeindruckend, angenehm und auch etwas schmerzhaft. Den Tag beenden wir in einem gemütlichen Resort mit Meeresrauschen im Ohr.

Am nächsten Morgen heisst es früh aufstehen, damit wir die photogene Sanxiantai-Brücke während des Sonnenaufgangs erwischen. Die Uhr zeigt 05.30 h, als wir ankommen – doch wir sind nicht die Ersten! Die Brücke mit ihren acht Bögen sieht aus wie ein Drachenrücken. Sie verbindet das Festland mit einer winzigen Insel aus Vulkangestein, der Insel der drei Unsterblichen (bezogen auf drei grosse Felsen).

Unser nächster Stopp ist zwischen idyllischen Reisfeldern. Wir mieten eine E-Bike-Rikscha und cruisen auf asphaltierten Strässchen an den Reisfeldern vorbei. Viele asiatische Touristen zieht es hierher. Ein für uns gewöhnlicher Baum ist für sie ein beliebtes Fotosujet und ein Muss auf jeder Reiseliste. Der Baum war Hintergrund in einem Werbeclip von Eva Air mit dem bekannten taiwanesisch-japanischen Filmstar Takeshi Kaneshiro.

Abends erreichen wir ein Hot-Springs-Resort, wo wir uns einige Stunden durch die wohltuenden, verschieden heissen Quellen-Pools wellnessen. Es gibt eine Sauna, diverse Sprudelvorrichtungen und – gottseidank – nur wenige Leute und viel Entspannung.

Die Kenting-Halbinsel ist ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Am besten gefällt uns der Kenting Forest Park mit seinem mystischen, verwunschenen und wilden Wald. Früher lag hier der Meeresspiegel höher und darum ist Korallengestein die Basis des Waldbodens. Zahlreiche Bäume schlingen sich auf- und umeinander der Sonne entgegen, weil das Licht knapp ist. Sie verankern ihre Wurzeln im Boden und saugen den Gastgeberbaum so lange aus, bis er stirbt (sogenanntes Strangler Phenomenon). So entstehen interessante Baumformationen, welche hohl sind. Uns begegnet hier kaum ein Tourist.

Die Sandstrände in Kenting sind durchaus sehenswert, gepflegt und mit klarem Wasser. Später besuchen wir den bekannten Nachtmarkt, wo gegessen, getrunken und geshoppt werden kann.

Unser letzter Tag. Ein Besuch beim Indigenous Culture Park darf nicht fehlen. In diesem offenen Museum erleben wir traditionelle Tänze und bestaunen die Kostüme, das Handwerk und die Kunst der indigenen Völker.

Unser nächster Stopp ist noch interessanter: In einem hochgelegenen, nebelverhangenen und idyllischen Bergort leben die Angehörigen des Rukai-Stammes. Die Hausmauern sind mit sorgfältig aufeinander gestapelten Schiefersteinen gebaut. Wir bummeln durch das Dorf und sehen kleine hübsche Teehäuschen mit Quinoa-Tee, eine Spezialität des Ortes. Zudem finden wir traditionelle Handwerksstätten und viele Mauern, die mit traditionellen Rukai-Motiven bemalt sind. Eine grosse Kirche steht prominent in der Mitte des Dörfchens. Und auch hier wieder kaum ein anderer Tourist.

Mit dem Besuch des Fo-Guang-Shan-Tempels in der Nähe von Kaohsiung beenden wir unsere Reise und fliegen mit vielen Eindrücken und einem entspannten Lächeln nach Hause.

Denn entspannt ist Taiwan auf alle Fälle. Die landschaftlichen Voraussetzungen Taiwans sind atemberaubend. Es geht durch Höhen und Tiefen: von hügeligen Teeplantagen zu rauchenden Vulkanen, durch dramatische Schluchten entlang steilen Klippen und wilden Küsten. Die Strassen sind einwandfrei und gut beschildert. Immer wieder bleiben wir stehen, staunen und fotografieren. Trotz oft mangelnden Englischkenntnissen ist die Gastfreundschaft und Offenheit der Taiwanesen herzerwärmend.

Adeus Formosa, wir kommen wieder!

Martinas Taiwan-Stories und Posts können auf ihrem Instagram-Account angeschaut werden: instagram/kitkat_ch.

Hier geht es zur umfassenden tourasia Taiwan-Rundreise »

Bewegte Bilder bewegen… tauchen Sie einen kurzen Moment ein und geniessen Sie Taiwan:
https://youtu.be/MY3YSNNatO4

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