Lesezeit

5 min

Trekking im Indischen Periyar NP

aktiv|natur
Rene Cathrein
29.5.2019
Teilen

Keine Tiger gesehen – aber doch erschrocken!

Der Periyar Nationalpark erstreckt sich über 777 km² in den beiden Unionsstaaten Tamil Nadu und Kerala. Im Park leben noch knapp über 40 Tiger, die Wahrscheinlichkeit, diese zu sichten, ist aber sehr gering.

Im Nationalpark werden verschiedene Aktivitäten angeboten wie Jeep-Safaris, Elefantenreiten oder Fahrten auf dem Periyar Lake in überfüllten Booten. Diese Angebote erschienen mir zweifelhaft und sind wohl eher für den einheimischen Massentourismus gedacht.

Wir haben uns für das „Fullday Border Trekking“ entschieden, das von 08.00 bis 17.00 Uhr dauert und einen Fussmarsch von 15–20 km beinhaltet. Maximal sind 12 Teilnehmende unterwegs, die in zwei Gruppen eingeteilt werden. Jede Gruppe wird von je zwei Führern und einem Ranger begleitet – in unserem Fall einer Rangerin. Die Ranger sind mit einem Gewehr bewaffnet, um in einer brenzligen Situation mit einem Warnschuss ein Wildtier zu verscheuchen.

Wir waren an diesem Tag die einzigen Teilnehmenden und kamen somit in den Genuss einer Privattour.

Die Tour startet etwa 10 Gehminuten vom Spice Village entfernt. Wir erhalten einen Rucksack mit einer Lunchbox (Chapati, Gemüsecurry und Reis) und einen Liter Wasser. Das ist eher knapp bemessen bei Temperaturen über 30 °C. Es empfiehlt sich, eine zusätzliche Wasserflasche mitzunehmen.

Ausrüstung: Lange Hosen (gegen Blutegel), Kopfbedeckung, geschlossene Schuhe (z. B. Joggingschuhe, Laufschuhe), Kamera, Feldstecher und ein kleiner Beutel, um den eigenen Abfall zurückzubringen.

In unmittelbarer Nähe des Tourstarts befindet sich ein Tempel. Der Gesang, das Glockenspiel und die Trommeln begleiteten uns noch eine Weile. Indien, wie wir es lieben.

Schon beim Parkeingang sichten wir Malabar-Hörnchen und Schwarzkopfaffen. Der Anfang des Trekkings ist zugleich ein Lehrpfad mit Schautafeln zu Bäumen und Tieren. Uralte Teak- und Banyanbäume säumen den Weg, und die Führer zeigen uns viele Details, die uns sonst verborgen geblieben wären.

Nach einer halben Stunde sichten wir eine Hirschkuh. Sambar-Hirsche sind im Periyar Nationalpark sehr verbreitet und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir sie antreffen.

Ein grosser Teil des Waldes besteht aus relativ jungen Teakbäumen. An einigen winden sich die Wurzeln des Banyanbaums, am Anfang noch sehr dünn, später immer mächtiger.

Unseren sehr aufmerksamen Führern entgeht fast nichts. Plötzlich bleiben sie stehen, schauen sich um, hören und riechen. Sie machen uns ein Zeichen, ruhig zu bleiben und ihnen zu folgen. Dann sehen wir eine ganze Gruppe von Sambarhirschen, die uns interessiert beobachtet, sich aber nicht fortbewegt.

Es gibt eine grosse Anzahl verschiedener Vogelarten. Diese zu fotografieren ist schwierig, weil sie sehr scheu und schnell sind. Die Führer haben uns immer wieder auf Vögel hingewiesen – darunter auch die schönen Kingfisher.

Die Geräuschkulisse im Wald ist gewaltig: Vogelgezwitscher, Zikaden, die lärmen wie Kreissägen, oder auch Affengeschrei. Wenn es heftig raschelt in den Baumkronen, sind es Affen. Hier ein Exemplar der Gattung Indischer Languren.

Was Ameisen so alles bauen!

Dann, vor einem kleinen Graben, raschelt es plötzlich hinter uns. Alle drehen sich um – und sehen, wie eine Kobra in aufrechter Position auf uns zuschnellt! „Be careful!“, rufen die Guides, und wir rennen weg. Glücklicherweise verzieht sich die Kobra in ein Loch im Termitenhügel… wir alle atmen tief durch. Die Führer erzählen uns, dass sie noch nie eine Kobra in diesem Teil des Parks gesichtet haben! Für ein Foto hat es leider nicht gereicht.

Nach etwa drei Stunden wird uns klar, weshalb wir uns auf einem Border Trekking befinden: Wir überschreiten die Grenze von Kerala und Tamil Nadu. Von jetzt an geht es aufwärts – für uns bergerfahrene Schweizer eine willkommene Herausforderung. 90 Minuten später dürfen wir die Aussicht geniessen. In der Bildmitte befindet sich der gestaute Periyar Lake.

Auf einer Anhöhe begegnen wir den Überresten eines Büffels. Anhand der Verteilung der Knochen über eine grössere Fläche ist klar, dass dieser einem Tiger begegnet ist.

Nach einer einstündigen Rast mit Lunch führt der Weg auf der Hügelkette weiter. Aus der Ferne entdecken unsere Führer eine Gruppe Büffel beim Grasen. Sie erklären uns, dass man sich vor männlichen Büffeln in Acht nehmen muss, wenn diese alleine unterwegs sind – die gewaltigen Bullen sollen sehr aggressiv sein.

Kurz bevor wir den Ausgang des Periyar Nationalparks erreichen, treffen wir noch auf einen gut zwei Meter langen Leguan. Ein eindrückliches Exemplar, das sich von uns nicht aus der Ruhe bringen liess.

Fazit

Erwartet nicht, an jeder Ecke ein Tier zu sehen. Ihr befindet euch in einem Park mit freilebenden Tieren. Die Chance, Elefanten zu sehen, ist gross – wir hatten einfach nicht das nötige Momentum. Aber an den unzähligen Elefanten-Dunghaufen konnten wir sehen, dass diese sehr wohl präsent sind!

Die Wanderung hat uns sehr gut gefallen und wir würden sie jederzeit wieder machen.

Der Besuch des Periyar Nationalparks kann in die Rundreisen
Naturschönheiten Keralas oder
Höhepunkte Südindiens
eingeschlossen werden.

Weiter lesen

Alle anzeigen
tourasia

Als Mädchen in Myanmar

Zum Blog
Catherine Gilliand

Auf den Spuren des Leoparden

Zum Blog
Manuela Pfändler

Bagan mit dem Velo

Zum Blog