Mit dem Auto durch Nagano

Im Mai sind wir mit dem Mietauto vom Fuji quer durch die Präfektur Nagano Richtung Westen gefahren. Neben bekannten Highlights wie Matsumoto und Nagano findet man hier, zwischen dem Fuji und den Japanischen Alpen, wunderschöne Täler, alte Handelswege und kleine Orte, die man mit dem Zug leicht verpasst. Mit dem Auto halten wir, wo es uns gefällt.
Suwa See: Sake und Schreine
Von Fujikawaguchiko erreichen wir nach rund zwei Stunden den Suwa See, der ein idealer erster Halt ist. Rund um den See liegen die vier Schreine des Suwa Taisha, eine der ältesten Schreinanlagen Japans.
An den Ecken jedes Schreins ragen mächtige Baumstämme in den Himmel. Sie werden alle sechs Jahre beim Onbashira-Fest ersetzt, bei dem Männer die Stämme den Hang hinunterreiten; das nächste Mal ist es 2028 so weit.
Im nahegelegenen Kamisuwa stehen fünf traditionsreiche Sake-Brauereien nur wenige Schritte voneinander entfernt, und jede lädt zur Degustation ein. Für mich als Fahrer gibt’s nur eine Flasche zum Mitnehmen …
Narai-juku: eine Zeitreise in die Edo-Zeit
Und dann Narai. Was für ein Ort!
Einen Kilometer lang reihen sich dunkle Holzhäuser, Teehäuser und Sake-Läden entlang der Gasse. Früher hiess die Poststation am Nakasendo «Narai der tausend Häuser». Auf diesem Weg reisten Samurai und Händler zwischen Edo, dem heutigen Tokio, und Kyoto.
Tagesbesucher gibt es hier deutlich weniger als in Magome oder Tsumago weiter südlich, und abends ist die Gasse fast menschenleer. Deshalb lohnt sich eine Übernachtung in einem der kleinen, familiengeführten Gasthäuser. Viele stehen in historischen Gebäuden, und das Abendessen mit regionalen Spezialitäten gehört dazu.
Ein Spaziergang frühmorgens durch die leeren Gassen fühlt sich für uns an wie eine Zeitreise. Wow!
Eine Wanderung auf dem Nakasendo wollten wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen, deshalb haben wir einen halben Tag eingeplant. Mit dem Regionalzug fahren wir eine Station und wandern von dort auf dem alten Weg über den Torii-Pass zurück nach Narai.
Die Strecke misst rund sechs Kilometer und dauert etwa drei Stunden. Mit 1197 Metern ist der Pass der höchste Punkt des gesamten Nakasendo. Mit Bärenglocken ausgerüstet geht es durch Zedernwälder, über alte Steinpflaster und an kleinen Schreinen vorbei.
Ein wirklich lohnendes Erlebnis, auch trotz – oder dank – herumstreunender Bären in der Region.
Matsumoto: mehr als die Krähenburg
Matsumoto ist unsere Basis für zwei Nächte. Die schwarze Burg mit ihren steilen Holztreppen ist natürlich ein Muss.
Mindestens so gut gefällt uns aber die Altstadt: In der Nakamachi-dori haben sich in alten, weiss-schwarzen Lagerhäusern Cafés und Handwerksläden eingerichtet.
Am Abend probieren wir die Shinshu-Soba. Im kühlen Hochland von Nagano gedeiht Buchweizen besonders gut, und die Region ist in ganz Japan für ihre Nudeln bekannt. Wir essen sie klassisch kalt auf dem Bambusgitter, zum Dippen in eine würzige Sauce.
Zum Schluss bringt die Bedienung das Kochwasser der Nudeln, das man mit der restlichen Sauce mischt und trinkt. Und wieder haben wir eine feine, neue kulinarische Entdeckung gemacht. Yummy!
Kulinarischer Tagesausflug: Wasabi und Wein
Am nächsten Tag fahren wir zu einer Wasabi-Farm, und ich muss gestehen: Wie Wasabi wächst, wusste ich bis dahin nicht.
Denn die Pflanzen wachsen in Kiesbeeten, durch die ununterbrochen Quellwasser fliesst. Wasabi ist heikel: Er braucht sauberes, kühles, fliessendes Wasser und viel Schatten. Deshalb spannt man im Sommer schwarze Netze über die Felder. Bis zur Ernte vergehen ein bis drei Jahre.
Frisch gerieben ist echter Wasabi milder und aromatischer als die grüne Paste aus der Tube, die meist aus Meerrettich besteht.
Nach einer kleinen Tour durch die Farm wagen wir uns an ein Wasabi-Glacé: scharf und erfrischend zugleich!
Am Nachmittag erreichen wir die Château Mercian Mariko Winery bei Ueda. Auf einer Anhöhe wachsen Merlot, Chardonnay und Syrah, im Hintergrund stehen die Berge. 2023 wurde der Weinberg als bester Asiens ausgezeichnet, was uns genug überzeugt, um eine Degustation zu machen – natürlich nur der Beifahrer.
Am letzten Morgen fahren wir weiter nach Gifu. Im Gepäck: eine Flasche Sake aus Suwa, frischer Wasabi aus Azumino und die Gewissheit, dass wir wiederkommen.
Gut zu wissen: Für Schweizer reicht der internationale Führerausweis in Japan nicht. Es braucht eine offizielle japanische Übersetzung des Schweizer Ausweises, die tourasia problemlos einholen kann. Es gilt Linksverkehr, und mit einer ETC-Karte im Mietwagen läuft die Autobahnmaut automatisch.




.jpg)
.jpg)